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Predigten & Impulse

Ein Gottesdienst findet in dem Moment statt, in dem wir ihn feiern. Er ist aber nicht zu ende, wenn wir beim Läuten der Glocken unsere Kirchen verlassen. Worte, die gesprochen wurden, sind wertvoll, gehört zu werden, von denen, die in den Kirchen dabei waren, und wertvoll für diejenigen, die am Gemeinde-Leben in diesen Zeiten eher behutsam von Zuhause aus teilnehmen möchten. 

Deshalb werden hier Predigten und Impulse der Pastoren unserer Insel in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht. Zum Nachlesen, zum Nachdenken...

Predigt zu Jona 3, 1-10 am 2.Stg. n. Trin. 26.6.2022 Burg

Liebe Schwestern und Brüder,                                  liebe Gemeinde,

 

Gottes Güte, sein Heiliger Geist, sei mit uns allen.

Habt Ihr, haben Sie schon einmal etwas tun müssen, was Ihr, was Sie gar nicht wollten?

Wenn es einem total gegen den Strich geht? Man steht vor einer Situation und am liebsten würde man sagen: nun ist aber Schluss – nicht mit mir,

Da halte ich mich raus und das lasse ich Euch mal schön alleine weitermachen?

ich gehe lieber!

Ich glaube, jede und jeder von uns kennt solche Situationen. …. Sie sind nicht schön.

Vor allem, wenn man dann doch ran muss. Eventuell ist so ein zweiter Anlauf aber auch sehr sinnvoll.

Weil sich die Sitaution zwar nicht verändert hat, aber inzwischen Zeit vergangen ist…. weil  eventuell ein anderer Blick darauf möglich ist…. weil man vielleicht nicht mehr so verärgert oder wütend ist – sondern ohne Emotionen ruhig und konzentriert? …..Oder weil man Gott gespürt hat…. Und man weiß: man ist nicht allein. Gott ist auch da mit dabei, auch da … wo man nicht weiß, wie es nur weitergehen soll…

In der Bibel haben wir auch ganz kleine Bücher. Die nur in zwei, drei, vier Kapiteln etwas über Gott und Menschen erzählen.

Eins davon ist das Buch Jona. Es befindet sich kurz vor dem Neuen Testament. Auch inhaltlich.

Wie auch andere Propheten wird Jona gegen seinen Willen zum Botschafter Gottes bestellt. Und es wird sehr deutlich ausgeführt: er will nicht. Nie und nimmer.

Jona bekommt den Auftrag nach Ninive zu gehen und … weigert sich. Zu viel hat er bereits gehört über die Menschen in Ninive. Sie sind bösartig, gemein, hinterlistig, betrügerisch, Diebe und Mörder. Arglistig. Ich- Menschen, für die andere nicht zählen. !

Und Ausländer!: sie gehören nicht zu Gott und schon gar nicht zu Gottes Volk. Sie kennen keine Gebote. Sie kennen keinen Bund. Sie leben völlig anders – eben nach den Maßstäben ihrer Götter, also nach ihren eigenen Maßstäben.

Wer will da schon hingehen? Wer will sie zurechtweisen? Wer will denen überhaupt irgendetwas erzählen?

Bis heute fällt es uns schwer, anderen zu sagen, sie sollen doch bitte das Böse sein lassen und ihr Tun zum Guten wenden. Wenn uns die Menschen am Herzen liegen und wir sie gut kennen, finden sich eher Worte… Aber fremde? Meistens schweigt man lieber und sieht zu – oder weg.

Böse Menschen, gewaltabhängige Menschen, gemeine und bösartige denken oft: sie könnten sich einfach alles erlauben und alles nehmen und die Guten wären einfach nur dumm und machtlos.

Wenn es uns selbst von solchen Menschen Unrecht geschieht, rennen wir vielleicht zur Polizei und dann vor Gericht – aber wenn andere das mit anderen machen? Mischen wir uns da ein? Selbst wenn eine Stimme in uns sagt: es ist Unrecht, es ist wirklich nicht okay, was da gerade passiert….

Meistens halten wir uns raus. Hin und wieder ist das auch eher klüger.

Wenn in der S-Bahn jemand zusammen geschlagen wird, ist es besser die Polizei anzurufen als dazwischen zu gehen. Man muss es einschätzen können, was geht und was nicht. Offener Widerstand gegen das Böse kann gefährlich sein. Also muss man Verbündete suchen oder Strukturen gebrauchen wie die Staatsmacht bzw. die Polizei, die dafür da sind. Und ausgebildet sind.

Propheten brauchen die nicht.

Vielleicht aber braucht eine Gesellschaft Propheten; Wirtschaftsweise, Friedensforscher, Klimaaktivisten – die Fragen stellen und Richtungen aufzeigen. Heutzutage sind ab und zu auch Philosophen so etwas wie Propheten.               …. Aber zurück zu Jona.

Jona nimmt unter den Propheten eine Sonderstellung unter den Schriftpropheten ein. Wir hören ganz ausführlich über seine Weigerung gegen Gott. Die Worte, die er den Menschen in Ninive sagen soll, sind nur ganz kurz überliefert. Es geht also tatsächlich um Jona. Und dass er absolut nicht will, fortläuft – in die entgegen gesetzte Richtung, auf ein Schiff geht, in einen Sturm gerät, über Bord geworfen wird, von einem Fisch verschlungen wird und drei Tage im Bauch sitzt – und dann kurz vor der Stadt Ninive wieder an Land gespuckt wird und dann neu sehen muss….

Wie so vieles in dem Buch Jona ist auch der Fisch ein Symbol, ein Bild. Wir kennen das, dass wir bei großem Stress manchmal einfach Zeit für uns selbst brauchen und ganz allein nachdenken müssen. Dass wir einen Raum brauchen, in dem niemand sonst ist. Nur wir mit uns selbst – und vielleicht Gott.

Wasser ist nicht nur lebensnotwendig. Es kann auch eine tödliche Gefahr sein. Dass Jona inmitten von Wasser, inmitten des Todes einen geschützten Raum findet, in dem er sicher sein kann – aber auch zurückgezogen von der Welt – das bedeutet das Symbol des Fisches – das übrigens später von den Christen auch auf Jesus übertragen wird. Auch er wird 3 Tage tot sein… Im Neuen Testament wird es erwähnt als das Zeichen des Jona in Matthäus 12, 36-40.

Ich lese Jona 3, 1-10

Jonas Predigt und Ninives Buße

1 Und es geschah das Wort des HERRN zum zweiten Mal zu Jona: 2 Mach dich auf, geh in die große Stadt Ninive und predige ihr, was ich dir sage! 3 Da machte sich Jona auf und ging hin nach Ninive, wie der HERR gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß. 4 Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen, und eine Tagereise weit gekommen war, predigte er und sprach: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen. 5 Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an. 6 Und als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte sich in den Sack und setzte sich in die Asche 7 und ließ ausrufen und sagen in Ninive als Befehl des Königs und seiner Gewaltigen: Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Rinder noch Schafe etwas zu sich nehmen, und man soll sie nicht weiden noch Wasser trinken lassen; 8 und sie sollen sich in den Sack hüllen, Menschen und Vieh, und heftig zu Gott rufen. Und ein jeder kehre um von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände! 9 Wer weiß, ob Gott nicht umkehrt und es ihn reut und er sich abwendet von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben. 10 Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat's nicht.

    ….In Kapitel drei hören wir also nun den zweiten Anlauf. Jona tut, was Gott sagt. Er predigt, wie es so schön heißt in dem Text.

Und er setzt eine Zeitspanne: 40 Tage.

Wie so vieles in dem Buch Jona ist auch die Zahl 40 ein Symbol. Jesus war 40 Tage in der Wüste – ehe er zurück kam und nach der Begegnung mit dem Teufel und seinem Widerstand gegen den Teufel seine Wunder anfingen. Und Israel war 40 Jahre in der Wüste – ehe es nach Hause kam und sein Leben mit Gott wieder zu Hause, im eigenen Land und im wieder aufgebauten Tempel hatte.

In Kapitel drei geht es also nun um die Zeit, die die Menschen in Ninive brauchen, aber auch bekommen, um umzukehren. Um zurück zu Gott zu finden. Sich auf Jonas Rede zu konzentrieren und einfach ein neues Leben anzufangen.

Jona tut nun, was er soll – aber er traut sich nicht zu, dass er etwas bewirkt.

Die Bibel aber erzählt: er findet Gehör. Selbst der König – oder vor allem der König – hört. Hört zu. Macht was.  Er gibt Befehle zu einem Wechsel um 180 Grad.

 

Das Volk, mitsamt dem  Vieh – wie interessant – soll fasten, soll sagen, wie leid ihnen das Böse tut … und dass es nun anders weitergehen soll.

Jona, der so viel Angst hatte, ein Prophet zu sein, hat Erfolg. Das liegt sicherlich nicht daran, dass er so ein Klasse Mensch ist, dem es auch gegen den Strich geht, dass die Menschen in Ninive so viel Böses tun.

Nein Jona ist der, der sagt: sollen die doch ihr Zeug alleine machen. Was geht mich das an?  Nicht mit mir. Und erst als er selbst in große Gefahr gerät, ändert sich alles. Auch für ihn. Dann geht er auf den Weg Gottes und tut, was verlangt wird.

Das Gute, ja Gottes Wort bricht sich Bahn.

Ein jeder kehre um von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände!

Erstaunlich ist auch, dass wir lesen, warum der König und sein Volk nun Buße tun.

Sie sagen: Wer weiß, ob Gott nicht umkehrt und es ihn reut und er sich abwendet von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben.

Sie halten es also für möglich. So wie auch Abraham es für möglich hält, als er mit Gott verhandelt, um den Untergang von Sodom und Gomorra zu verhindern. Sollte es Gerechte geben in der Stadt, so sollte Gott doch die Vernichtung aussetzen.

Menschen halten es für möglich – dass Gott sich ändert. Dass auch Gott umkehrt. Dass auch Gott nicht das tut, was er eigentlich vorhatte – sondern sich dem Guten zuwendet.

Hier hat Jona Erfolg. Die Menschen hören zu. Sie wollen selbst, dass es aufhört. Dass sie andere Maßstäbe finden. Dass sie auf diesen Gott hören, der sagt: du sollst nicht stehlen, töten, ehebrechen, lügen… Du sollst einen Gott haben, dem du Rechenschaft schuldig bist. Du sollst ein Gegenüber haben, das nach Dir fragt. Von dem Du herkommst und zu dem Du gehen wirst, am Ende Deines Lebens.

 

Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an

Auch Jesus versucht in seinem ganzen Leben, die Menschen zu Gott zu bringen, auch zur Umkehr zu bewegen. Seine zentrale Botschaft lautet: Tut Buße, denn das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen. (Mt 4,17).

Martin Luther nimmt ebenfalls diesen Umkehrruf auf. Er verstärkt das auch. Er  sagt: das ganze Leben sei Umkehr zu Gott und Buße – weil Gott Gott ist.

Was Jona, Luther, aber vor allem Jesus sagen, sollen wir hören. Wir sollen immer wieder zu Gott umkehren. Wir sollen auch andere dazu bringen. Nicht auf das Böse zu setzen und der Gewalt zu vertrauen – sondern auf Mitmenschlichkeit, die von Gott in den Geboten gesagt wird und an die wir uns für ein gutes Leben miteinander halten sollen.

Was Jona in Ninive sagt, gilt allen Christen. Und zwar nicht nur punktuell, sondern als Lebenshaltung.

Vielleicht sind ja so einige noch am Weglaufen, am Nein-Sagen und Besserwissen. Vielleicht sind auch einige noch in großer Gefahr oder im Bauch des Fisches. Mit Jonas Augen gesehen….

Wir sollen aber als Menschen immer wieder zum Anfang zurückkehren. Gott suchen und nach seinem Willen fragen. Offen sein, wenn andere umkehren wollen. Wege miteinander suchen. Das Gute für alle suchen…

Wenn Gott einlädt zum Leben – wie im Evangelium, das uns Mia gelesen hat – sollte man es nicht verpassen. Auch Außenstehenden gilt Gottes Ruf.

Die Einwohner Ninives lösen Gottes Güte aus. Er glaubt ihnen. Und er verschont sie. Die Stadt wird nicht dem Untergang geweiht. Alle bekommen eine neue Chance. Selbst das Vieh, die Tiere, sind einbezogen – das ganze Leben wird neu auf Gott ausgerichtet.

Auch der Blick auf Gott macht hier viel Mut. Gott ist nicht nur einfach der liebe Gott, mit dem man machen kann, was man will. Sondern hier steht er mitten im Leben der Menschen. Er achtet sehr wohl auf das Gute.

So ist auch der Taufspruch für den kleinen Bruno zu verstehen: Sei getrost und unverzagt. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst. Aus Josua 1,9

In der Verbindung zu diesem Gott entsteht das Gute – für uns alle als eine Gemeinschaft. In der Verbindung zu diesem Gott entstehen Liebe und Mitmenschlichkeit. Und er begleitet.

Josua bekommt diese Worte mit auf den Weg, weil auch er so einiges mit Gott erlebt hat.

Das wünschen wir Bruno. So eine gute Beziehung zu Gott. Und das wünsche ich auch einem jeden/ einer jeden von uns. Amen.

Pastorin Dorothea Pape

Predigt zu Joh 21, 15-19 am 1.Mai 2022 Burg a F

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Der Mai ist gekommen, überall erwacht das Leben neu. Und es macht Spaß draußen zu sein und die Sonne zu genießen…. Viele Menschen zieht es heute ins Grüne, andere versammeln sich zu den Kundgebungen am Tag der Arbeit. 

Doch der 1. Mai ist in diesem Jahr auch bestimmt von den bedrückenden Nachrichten aus der Ukraine. Wie üblich finden heute allerorts Kundgebungen statt, zu denen die Gewerkschaften aufrufen. Dabei steht in diesem Jahr die Solidarität mit der Ukraine im Mittelpunkt. Im Aufruf heißt es: „Durch den brutalen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine sterben jeden Tag Menschen. Viele Menschen, insbesondere Frauen und Kinder, sind auf der Flucht. Dieser Krieg ist auch ein Angriff auf die europäische Friedensordnung, die auf Freiheit, Menschenrechten, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit basiert.“ Bemerkenswert finde ich, dass der Aufruf nicht in Forderungen mündet, sondern in einem gemeinsamen Auftrag: „Gemeinsam Zukunft gestalten! Das ist unser Auftrag!“ 

Darin können sich an diesem 1. Mai nicht nur Gewerkschaftsmitglieder wiederfinden, sondern auch wir Christen. Aus der bedrückenden Situation erwächst ein Auftrag, wir stehen alle in der Verantwortung und jede und jeder ist durch die Situation angefragt.

Vorhin haben wir im Psalm 23 gemeinsam gebetet: und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, dein Stecken und Stab trösten mich…

Das fällt einem nicht immer leicht, weiter darauf zu vertrauen. Aber wir sind nun auch hier in unserer Kirche am Sonntag versammelt um genau das zu tun: uns an Gott festzuhalten, uns festzuhalten an dem Stab, der uns tröstet….

Meistens ist so ein Stab ein gutes Wort, etwas zum Nachdenken. …So ein Stab kann aber auch ein aufmunterndes Lächeln sein, von einem anderen Menschen, den Gott uns schickt. Manchmal schickt er Menschen, auf die man sich verlassen kann. Mit denen man etwas Gutes, Bestärkendes erlebt, die einem immer wieder Mut machen und auch wenn es schwer wird, zeigen, wie es weitergehen kann.

In dem Predigttext für den heutigen Sonntag wird so ein Mensch in den Mittelpunkt gerückt. Petrus bekommt von Jesus gesagt, dass er auf ihm die Kirche aufbauen wird. Petrus, der ja auch der Fels genannt wird, ist so wichtig und gut, dass andere mit ihm die Kirche  aufbauen werden und er wird es leiten, er wird der sein, der wie ein Stab ist. Aufgrund seiner Art und Weise, den Glauben zu leben und weiterzugeben, traut Jesus dem Petrus zu, dass auf ihm die Kirche gegründet sein kann….

Txt Joh 21

Der Auftrag an Petrus und sein Ruf in die Nachfolge

15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!

16 Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

17 Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

(Jesus:)

18 Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.

19 Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Drei Mal bekennt Petrus, dass es so ist: ja, er liebt Jesus, er hält zu ihm, ja, er ist auf seiner Seite, ja, es ist alles so, wie es sein sollte. Ja, ja und nochmals ja.

Wer das hört, denkt vielleicht wie Petrus: warum drei Mal? 

Einige Ausleger sagen: weil Petrus dreimal verleugnete, wird er nun drei Mal gefragt. Und erst nach der dritten Antwort ist das alte, das Versagen weg und spielt nun eine andere Rolle…. Andere sagen: für eine „Dienstverpflichtung“ muss drei Mal JA gesagt werden – wie bei einem Vertrag, wo man sich per Handschlag einigt: es ist drei Mal gesagt, also hat es Gültigkeit….

Dieses Lieben…. Im griechischen Text wird es durch zwei verschiedene Verben ausgedrückt. Einmal lieben, aber auch mit lieb haben…. Vielleicht ist es nur ein Stilmittel wie der Wechsel zwischen Schafen und Lämmern.

Petrus ist gefragt… Der Auferstandene fragt nicht: was hast du denn nun verstanden? Oder: fühlst du dich stark genug? Oder bist du gut strukturiert? Kommst du mit anderen gut klar? Hast Du Ausstrahlung? Kannst du mit Finanzen umgehen? Usw. usf. 

Aber Jesus fragt drei Mal nach der Liebe….. 

Wir hören im Neuen Testament, dass Petrus immer einer der lautesten und schnellsten war. Als Jesus vor der Kreuzigung so oft davon redet, dass er bald nicht mehr da sein wird, und dass er leiden wird, ist Petrus derjenige, der sagt: das sei ferne… Und: ich werde immer zu dir halten, an deiner Seite kämpfen, wenn nötig, für dich durchs Feuer gehen… Und dann kommt die Situation. 

Jesus wird gefangen genommen. Und Petrus folgt ihm. Als einziger de Jünger. Bis in den Palast des Hohenpriesters. Aber er fällt auf. Als er gefragt wird von den Leuten, die dort arbeiten: gehörst du nicht auch zu Jesus?, antwortet er drei Mal: nein, ich kenne ihn nicht… Und beim dritten Mal kräht der Hahn…. 

Petrus erinnert sich sofort daran, was Jesus ihm vorausgesagt hatte; noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich drei Mal verraten haben…

Wie reagiert Petrus, als ihm klar wird, was er getan hat? Sagt er: ach, das ging nicht anders – ich musste doch lügen, sonst hätten sie mich auch noch gefoltert? Oder: halb so schlimm, ist ja gar nichts passiert… war doch nur äußerlich, war nur so dahin gesagt?

Nein.

Petrus geht vor die Tür. Und dort vor der Tür fängt er bitterlich an zu weinen. 

Das dauert bei Männern wie Petrus ehe sie bitterlich weinen… Aber er weint. Weil seine Welt zusammenbricht. Weil er erkennt, dass er nicht nur Jesus – sondern auch sich selbst verraten hat. Und Gott und das Gute gleich mit…

Gott schickt auch das Gericht. Damit wir erkennen, wer wir sind. Petrus geht durchs Feuer… anders als gedacht… und weint….

Jesus fragt: liebst du mich?

Wenn das die Frage an Petrus ist – im Zusammenhang mit der Kirche! – dann, liebe Schwestern und Brüder, ist es im Grunde auch eine Frage an uns: wir sind gefragt – uns selbst zu erkennen…im Blick auf Jesus.

Der Glaube, die Liebe, die Hoffnung – die sind es durch die Gott das Gute wirkt, oft genug aber auch im Zusammenhang mit seinem Gericht – mit den Situationen im Leben, in denen wir entscheiden, worauf es wirklich ankommt…

Jesus ruft Petrus neu in die Verantwortung: seine Aufgabe wird mit dem Bild des Hirten beschrieben. Es ist auch Petrus‘ Aufgabe, die Schafe zu weiden und sich um das Wohl der Christen in der Gemeinde zu kümmern.

Das Bild vom guten Hirten ist wie ein Leuchtband über diesem Sonntag Miserikordias Domini – die Barmherzigkeit des Herrn…. Da ist auch das Wort Herz enthalten. 

Hirte sein / Hirtin sein – in der Spur Jesu…  

So sind alle Menschen, die Liebe in sich tragen gemeint, gefragt und angesprochen… Die, die Jesus kennen und seine Sicht auf die Welt verstehen und mittragen und weiter geben. 

Das Leben kann einen Wege führen, die man nie gehen wollte. Das erfahren unzählige Menschen in der Ukraine, die in großes Leid geraten und deren Lebenswege nun ganz andere Wendungen nehmen, als sie es sich vorgestellt haben. 

Auch die Politiker in Deutschland erfahren das. Für Klimaschutz, mehr soziale Gerechtigkeit und Frieden sind sie angetreten und nun geht es um die Lieferung schwerer Waffen für die Ukraine, um harte Sanktionen gegen Russland, um neue Energie-Quellen für die weitere Energieversorgung… Es kommen schwierige Zeiten auf uns alle zu. 

Aber wir sind nicht völlig allein damit. Es wird allen so gehen und alle werden nach Auswegen und Lösungen suchen – sicher auch gemeinsam. Keine einfache Zeit, keine einfachen Wege – und doch wird sich zeigen, wem man vertrauen kann und wem man folgen kann, wer weiß, wo die gute Weide sein kann….

Der Text fordert auf, Hirten zu suchen oder selbst Hirte zu sein und zu werden in einer Gemeinschaft, in der Nachfolge Jesu ein gutes Miteinander voller Solidarität, Freundschaft, Liebe zu leben. Es geht um Menschen, die wissen, worauf es im Leben ankommt. Und die man so oft fragen kann, wie man will: es wird immer die gleiche Antwort kommen.

Ja, ich stehe für das, was Jesus lehrt: liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ja, ich weiß, dass die Liebe das wichtigste ist im Leben. Ja, ich suche immer wieder nach neuen Wegen um mein Leben mit Liebe zu leben und der Liebe Raum zu geben, in all ihrer Vielfalt.. Amen.

Fürbitten

Herr, Jesus Christus, du bist unser guter Hirte, der uns aufweckt zu neuem Leben und uns führt und trägt auf allen Wegen. Dafür danken wir dir und wir kommen zu dir mit unseren Bitten:

Wir bitten dich heute vor allem für die Menschen in der Ukraine, für alle, die an den Folgen des Angriffskrieges leiden, für die Soldaten auf beiden Seiten, für alle Kinder, Frauen und Männer, insbesondere auch für die, die auf der Flucht sind. Lass sie alle auf deine Liebe vertrauen und lass sie wieder Frieden und gutes Leben erfahren.

Wir bitten dich für all diejenigen, die Verantwortung tragen in den Ländern Europas und darüber hinaus, dass sie das Wohl der Menschen im Blick haben, und dass sie nicht aufhören, Wege zum Frieden zu suchen. Sei du bei ihnen mit deinem Geist, der Menschen im Frieden zusammenführt.

Wir bitten dich auch für alle Menschen in unserem Land, die bereit sind, ihren Beitrag zu Frieden und Gerechtigkeit zu leisten, für die, die heute am 1. Mai für eine gemeinsame Zukunft einstehen und für uns, die wir uns von dir rufen lassen. Sei uns allen der gute Hirte, der uns auch durch dunkle Zeiten führt. Lass uns teilhaben an der Hoffnung auf dein Reich, und schenke uns jetzt schon Freude am Erwachen des neuen Lebens.

So gib uns allen deinen Frieden, und sei bei uns auf allen unseren Wegen.

Predigt zu Mk 16, 1-8 Ostern Burg auf Fehmarn 17.4.2022

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus Markus 16

Die Botschaft von Jesu Auferstehung 

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Wir wissen heute, dass dies der originale Schluss des Markus-Evangeliums ist: Furcht… Zittern und Entsetzen. DAMIT endet es. Das hat Ostern zuerst ausgelöst: richtig große Angst und Furcht, richtig großes Entsetzen!... So beschreibt es Markus am Ende seines Evangeliums. …In dem er über das Leben und die Taten, die Kreuzigung und Auferstehung von Jesus von Nazareth berichtet.

Das Markus-Evangelium ist das älteste Evangelium, das wir im Neuen Testament überliefert bekommen haben – es ist zeitlich nach dem ältesten Bericht von Paulus über die Auferstehung aus 1.Kor 15 entstanden, den uns Herr von zur Mühlen gelesen hat. 

Da es nicht ertragen wurde, dass Markus so endete, wurde sein Text ergänzt. Damit da mehr steht als Furcht und Entsetzen… Aber wie gesagt, das Original endet anders und WIR haben heute diesen originalen Markus-Text über Ostern mit diesem Schluss als Predigttext vor uns: also dieses Ostern, das mit einem Erschrecken endet! 

Die ersten Christen waren voller Furcht und Zittern, als sie wahrnahmen, dass Jesus nicht im Grab ist. Und nicht nur das. Sie hatten in dem Grab eine Vision und dazu eine Audition, die sie nicht beruhigte, sondern eher das Erschrecken größer machte: Ein Jüngling im strahlend weißen Gewand, ein Bote Gottes, eine lichte Macht, sagt ihnen die Osterbotschaft: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

Das Fragen, das Unverständnis, die Furcht fängt aber eigentlich schon eher an. Die drei Frauen kommen zum Grab und es ist nicht verschlossen, wie es sein müsste! Die drei Frauen sehen  ein offenes Grab!! 

Der Stein ist weggerollt, als sie kommen. Der Stein ist nicht davor, sondern weg! 

Wie kann das sein und was bedeutet das?

Es muss etwas passiert sein – aber was? Wer oder was hat diesen Stein weg gewälzt? Und wie fühlt sich das an, wenn der Stein weg ist?

Wenn man an einen Toten denkt, dann ist der Stein gut. Dann gehört er davor. Der Stein ist ein guter Verschluss. Totenruhe. Das, was hinter oder unter diesem Stein ist, ist gesichert. Verschlossen. Das braucht keinen Zugang zu der Welt der Lebendigen!

Aber nun ist dieser Stein weggerollt. Weggeschoben. Weg genommen. Damit ist es kein richtiges Grab mehr. Auch kein richtiger Tod mehr… ? 

Der Stein ist weg. Und das hat auch eine emotionale Auswirkung. Etwas ganz, ganz Schweres ist fort. Und das scheinbar nicht nur äußerlich!

In unserer Alltagssprache haben wir noch eine Erinnerung daran, wenn wir sagen, uns sei ein ‚Stein vom Herzen gefallen‘. 

Der Stein, der auch vom Herzen fällt. Nicht nur äußerlich weg gerollt ist – sondern auch vom Herzen fällt…

Wer anders soll es gewesen sein als Gott selbst – der uns die Steine weg wälzt und seinen Boten schickt. 

Christus ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden. 

Wir haben es uns heute zugesprochen. Dieses Zusprechen und Zurufen hat eine lange und schöne Tradition vor allem in der Ostkirche.

Mit diesem Spruch sprechen die Gläubigen der Ostkirche einander die Ostererfahrung zu, nachdem sie Lichter auf den Gräbern entzündet haben. Auch die Ukrainer sind meistenteils Christen.  95 %  sind Mitglieder in einer der Kirchen dort. Nachdem sie ein eigenes Land gegründet haben nach der Auflösung der Sowjetunion wurden in den einzelnen Regionen der Ukraine 50-66% wieder Mitglieder der katholischen Kirche, allerdings der griechisch-katholischen, und 50-66%  sind in der russisch-orthodoxen. Und es gab vor dem Krieg ca. 300. 000 Juden dort nach Angaben der Süddeutschen Zeitung. 

Aber noch einmal zu den Christen: So gut wie alle Menschen in der Ukraine sind Mitglieder einer christlichen Kirche. Was sie wohl nun tun – an diesem Ostern? Diese tief religiösen Menschen? In all dem Unglück? 

Christus ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden. 

Wer rollt den Stein weg?

Die Panzer, die ich gesehen habe auf einem Parkplatz an der A7? Sehr viele, auf LKWs verladen. Sie sahen sandfarben aus und waren eher  klein. Eher kleine graue Panzer. Auf roten LKWs. Sie sahen ganz neu aus….Oder die Kolonne der Britischen Soldaten, die mir letzte Woche auf der B 202 entgegen kamen mit riesigen Militärfahrzeugen, die Richtung Ostsee unterwegs waren?  Sie hatten kleine britische Flaggen an den grünen Fahrzeugen. Zuerst irritierte es, dass diejenigen, die auf der Fahrerseite saßen, gar nicht auf die Straße sahen, sondern quatschten und nach links sahen. So kann man gar nicht Auto fahren… Erst als ich die Flaggen sah, wusste ich, dass die Fahrer ja auf der anderen Seite saßen…. Die Briten fahren links. Auch ihre Militärfahrzeuge.

Ich weiß nicht, wie oft Sie von der Insel kommen. Ich fahre nun mehrmals die Woche hin und her und auch mal nach Hamburg ins Institut. Man sieht so einiges, wenn man jetzt unterwegs ist. Der Krieg kommt zu uns. Er wird sichtbar in geparkten Panzern und Militärkolonnen auf unseren Straßen. Der Krieg  ist nicht nur im Supermarkt oder in den Energiepreisen… er ist bereits auf unseren Straßen unterwegs….

Wer wälzt uns den Stein vom Grab? 

Oder ist er bereits fort? Dieser Stein?

Na, er rollt wohl im Moment auch für uns eher davor als davon weg. Und er fällt auch nicht wie ein Stein vom Herzen, sondern eher auf das Herz rauf.

Und gleichzeitig ist er weggerollt. Ein für allemal! 

Denn Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!  Auch im größten Unglück ist er doch auferstanden! … Oder etwa nicht?

Wir hören bei Markus vom Licht. Dieser Bote hat nicht nur ein weißes Gewand an, ein Licht-Gewand. Markus benutzt ein Wort für dieses Weiß, das er auch an anderen Stellen benutzt, wie z.B. in der Geschichte von der Verklärung Jesu auf dem Berg, die Petrus und die beiden Zebedäus-Brüder miterleben…. Auch Jesu Gesicht strahlt danach – weil es die Berührung mit dem Heiligen gegeben hat. Danach wird es hell.

Das Licht ist der Schlüssel zur Osterfreude. Osterfreude entsteht, indem wir sie wie ein Mosaik zusammensetzen. Aus all den Erlebnissen von Menschen mit Gott. Alle die danach Licht in die Welt bringen und das Dunkel bekämpfen.

Die erfahren haben, dass das Licht stärker ist als die Finsternis und das Gute viel stärker ist als das Böse, Christus stärker ist als der Satan. Ja?

Osterfreude ist die Freude einer Gemeinschaft. Einer Gemeinschaft von Christinnen und Christen! Zusammen erleben wir Ostern – immer wieder. Indem wir die Ostergeschichten hören und sie in unser Leben hinein lassen. Ostern bricht herein wie eine Welle, wie ein Erdbeben, wie eine Naturgewalt. Es bricht herein… Man kann da gar nichts gegen tun…

Das Kreuz ist nicht das letzte auf dieser Welt! Es kommt Ostern – für mich, für Dich, für die Welt.

Die Frauen werden beauftragt, davon zu erzählen und zu berichten: 

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat., sagt der Engel.

Was sie aber machen, ist: fortlaufen… Wegrennen… schweigen… Entsetzt sein…

Damit endet der originale Markus. Nicht damit,  dass sie sich berappeln und es dann doch sagen und weitersagen.

Die anderen Evangelien erzählen – auch im Original – von Ostererlebnissen. Eben dass ihnen der Auferstandene immer wieder begegnet… 

Ostern, die Bedeutung von Ostern, wird im Weitersagen geboren. Sie entsteht erst, nachdem der Auferstandene wirklich erlebt wurde. Und davon berichtet wird.

Vielleicht wollte Markus mit seinem Schluss erreichen, dass sich seine Hörer auf diesen „Weg nach Galiläa“ machen. Ihnen ist der Stein vom Herzen gefallen und nun sind sie frei. Um ganz persönlich zu erleben, dass Jesus Christus da ist und lebt. Dass er diese enorme Kraft durch Gott bekommen hat. Dass Gott ihn auferweckt hat. Dass Gott so mächtig wirkt.

Markus schickt die Frauen und damit auch uns also auf den Weg…. 

Er verzichtet auf Erzählungen von Wundern. Er sagt nur: geht da und da hin, dann werdet ihr ihn sehen – WIE ER EUCH GESAGT HAT… 

Nicht einfach so sehen wir, sondern WIE Jesus es gesagt hat. 

Was sagt er denn zu uns?

Die Auferstehung Jesu ist wie eine Revolution, wie schon so vieles zu seinen Lebzeiten. Die größte Revolution der ganzen Geschichte des Kosmos: dass Tod nicht Tod bleibt, sondern dass er überwunden wurde und auch heute überwunden wird! Immer wieder überwunden wird

Die größte – oft verdrängte – Gewissheit, dass wir sterben müssen, die tytrannischste Macht überhaupt, die des Todes, ist umgestoßen. Sie hat sich so etabliert und zeigt sich immer wieder als beherrschende Macht – aber sie ist eben nicht das Ende! Ostern bedeutet die tiefste überhaupt erahnbare frohe Botschaft, dass der Tod überwindbar ist – seit Ostersonntag. Jesus ist der Erste dieser grundlegend neuen Schöpfung. 

Die Bindung an alle Grenzen ist seitdem entfallen. Es gibt die Grenzen von Raum, Zeit und Vergänglichkeit nicht mehr! – Das ist allen Osterberichten gemeinsam! 

Das aber sollte uns stark machen, dem Bösen entgegen zu treten, dagegen zu kämpfen. Das sollte uns dazu bringen auch gegen Kriege einzutreten. Nicht nur zu reden, sondern auch zu tun, was uns möglich ist. 

Die Verbindung zu Jesus Christus macht stark. Eine Liebe, die stärker ist als der Tod, steht uns bei.   ….Mutmachend, tröstend, stärkend – selbst wenn dem Tod ins Auge geblickt wird!

Es ist der leibhaftige Jesus, der in den anderen Evangelien beschrieben wird, bei Markus nur in der Andeutung. 

Diesem Auferstandenen zu begegnen ist eine andere Sache, als wenn wir morgens den Briefträger am Postkasten treffen. 

Zum Zeichen dieser Andersheit begleiten Engel diese verborgenen Ereignisse. 

In keinem kanonischen, das heißt von der Kirche anerkannten, inspirierten Bericht wird die Auferstehung Jesu selbst geschildert. Sie ist ein Geheimnis von der Art wie auch das Abendmahl, in dem Jesus uns nahekommt, ohne das jemand sagen kann, wie das geschehen soll, dass Jesus gegenwärtig wird. Dass er wirklich da ist. Bei uns. Unter uns…. Wirkend mit seiner Kraft des Lebens, des Lichtes…

So ist auch Auferstehung in ihrem Wie unfassbar. Aber selbst dort, wo der Vorgang etwas näher beschrieben wird, wie z.B. in den uralten Texten des Petrusevangeliums, außerkanonisch, selbst da wird nur gesagt, dass zwei Engel auf das Grab hinabstiegen, dass aber drei Personen aus dem Grab hervorgingen. Und Jesus in der Mitte der beiden war. Auch im Petrus-Evangelium bleibt der Vorgang der Auferstehung selbst verborgen im dunklen Raum des Grabes.

Dem Unfasslichen des Vorgangs entspricht die Osterfreude. In der Osterfreude dürfen wir aus uns selbst herausgehen. Wir müssen nicht mehr in uns verkrümmt sein, wir dürfen die Grenzen durchbrechen.

Muss man das alles glauben, um Christ oder Christin zu sein?

Wer so fragt, hat schon wieder nur Angst. An der Stelle jeder Angst um den eigenen Glauben, sollte dies treten: Dass wir wirklich unaufhörlich Ostern feiern und auf diese Weise die Erfahrung der Frauen und der 12 Jünger einfach weitersagen – wie ‚stille Post‘.  Es geht um eine überwältigende Erfahrung, nicht um irgendein Müssen. 

Jesus ist an einem Sonntag auferstanden. Am ersten Tag der Woche, gleich nach dem Schabbat, dem Sonnabend als dem letzten Tag der christlichen Woche. Beinahe hätte ich eben gesagt: Jesus ist sonntags auferstanden. Wir feiern eigentlich jeden Sonntag Auferstehung. Jeden Sonntag, das ganze Jahr lang, geht es darum, dem Leben mehr Kraft zuzutrauen als den todbringenden Kräften. 

Markus schickt uns auf den Weg. Wenn wir im Glauben wachsen und hören, was Jesus sagt – dann werden wir ihm auf unserem Lebensweg begegnen. 

Amen. 

(Diese Predigt enthält einige Gedanken aus Klaus Bergers Buch: Jesus) 

Pastorin i.V. Dorothea Pape

Predigt zu Mk 10, 35-45 am 3.4.2022, Judika, in Burg a. Fehmarn (Pastorin Dorothea Pape)

Predigt zu Mk 10, 35-45 am 3.4.2022, Judika, in Burg a. Fehmarn

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Zu Jesus kann man mit allem kommen, was einen belastet. Aber auch mit dem, was man sich wünscht, mit dem was einem auf der Seele liegt. Mit dem, was einen bewegt…

So jedenfalls tun wir es nicht nur jeden Sonntag in unseren Fürbittgebeten oder in anderen Gebeten, so machen wir Christinnen und Christen das auch zu Hause oder im Alltag. Ich jedenfalls mache das so.

Wir reden mit ihm. Wir beten und sagen, was los ist. Wir vertrauen darauf, dass er uns zuhört. Ja, dass er sich uns zuwendet und uns beschützt und hilft. Wir hoffen, dass er das tut, was wir uns vorstellen und wünschen und gut finden würden – so weit es in unserem Horizont steht.

Wir merken aber auch hin und wieder, dass so manches gar nicht nach unseren Wünschen geht.

Eigentlich gehört an jedes unserer Gebete der Zusatz: nicht wie ich will, sondern wie du willst.

Heute begegnet uns Jesus als einer, der zwei Bittenden eine scharfe Abfuhr erteilt.

Jesus erklärt warum, aber doch auch mit ziemlich harten Worten. Die Begebenheit passiert, als Jesus mit den Jüngern unter sich ist. Wir hören noch einmal Mk 10, 35-45 mit einigen Versen davor:

32 Auf dem Weg nach Jerusalem ging Jesus seinen Jüngern voran. Die Jünger waren beunruhigt, und auch die anderen Menschen, die ihnen folgten, hatten Angst. Unterwegs nahm Jesus seine zwölf Jünger beiseite und sprach noch einmal darüber, was ihn erwartete.

33 »Wir gehen jetzt nach Jerusalem. (sagte er) Dort wird der Menschensohn den obersten Priestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert werden. Man wird ihn zum Tode verurteilen und denen übergeben, die Gott nicht kennen.

34 Die werden ihren Spott mit ihm treiben, ihn anspucken, auspeitschen und töten. Aber am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen.« Markus 10, 35-45

35 Jakobus und Johannes, die Söhne von Zebedäus, gingen zu Jesus und sagten: »Lehrer, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.«

36 »Was wollt ihr?«, fragte Jesus.

37 Sie antworteten: »Wenn deine Herrschaft begonnen hat, dann gewähre uns die Ehrenplätze rechts und links neben dir!«

38 Jesus entgegnete: »Ihr wisst ja gar nicht, was ihr euch da wünscht! Denn auf mich wartet schweres Leid. Meint ihr, ihr könnt den bitteren Kelch trinken, so wie ich es tun muss? Oder könnt ihr die Taufe ertragen, die mir bevorsteht?[3]«

39 »Ja, das können wir!«, antworteten sie. Darauf erwiderte ihnen Jesus: »Ihr werdet tatsächlich so wie ich leiden und euer Leben hingeben müssen.

40 Aber trotzdem kann ich nicht bestimmen, wer einmal die Plätze rechts und links neben mir einnehmen wird. Das hat bereits Gott entschieden.«

41 Die anderen zehn Jünger hatten das Gespräch mit angehört und waren empört über Jakobus und Johannes.

42 Da rief Jesus alle zusammen und sagte: »Ihr wisst, wie die Großen und Mächtigen dieser Welt ihre Völker unterdrücken. Wer die Macht hat, nutzt sie rücksichtslos aus.

43 Aber so soll es bei euch nicht sein! Im Gegenteil: Wer groß sein will, der soll den anderen dienen,

44 und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen.

45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Sie sind miteinander unterwegs. Und Jesus redet offen mit ihnen allen. Angst ist in der Luft, aber scheinbar auch etwas anderes.

Die Jünger hören etwas Schreckliches. Auf dem Weg nach Jerusalem, auf dem Weg ans Kreuz kommt einiges zur Sprache.

Was wird dort passieren? Jesus wird gequält? Verspottet? Umgebracht werden?

Schon beim Laufen haben sie Angst. Es liegt etwas in der Luft. Sie können es nicht richtig deuten.

Aber Jesus sagt, was kommt.

Und sie hören es. Sie hören auch:

er wird am dritten Tag auferstehen!

Also wird die Herrlichkeit endlich kommen. Das Reich Gottes, nach dem sie sich sehnen. Es wird etwas passieren… Endlich… Und sie werden dabei sein. Jesus wird siegen – natürlich wird er siegen – er ist doch der Messias!

Vielleicht ist es das, was Jakobus und Johannes dazu bringt, Jesus das zu fragen. Eigentlich sagen sie wörtlich : lass uns sitzen zu Deiner Rechten und Deiner Linken in deiner Herrlichkeit – das heißt: wenn du in deiner messianischen Herrlichkeit triumphieren wirst. … Dann wollen wir beide direkt neben Dir sitzen.. ganz nah an der Macht.

Jakobus und Johannes, die beiden Brüder hören scheinbar nur das Ende: ja, Jesus ist der Messias – es wird alles gut. Er kann alles. Wenn seine Herrschaft erst einmal da ist, dann wird er über alle, über die ganze Welt herrschen. Er ist allmächtig!

Also! Warum sollen uns beiden nicht die besten Plätze, direkt neben Jesus gesichert werden?

Kurz zuvor hat Jesus sehr deutlich über seinen Weg ans Kreuz gesprochen. Das scheinen sie überhört zu haben. Vielleicht ausgeblendet. Sie sehen die Macht Gottes, die sichtbar auf Erden da sein wird….

Jesus aber unterstellt seinen eigenen Jüngern in seiner Antwort, dass sie sich das Reich Gottes vorstellen wie Gewaltherrscher. Dass er Macht ausüben wird wie einer der Großen heute… Oder wie soll man das verstehen?

Jesus beschreibt ganz negativ, wie die weltlichen Machthaber ihre Macht benutzen: sie halten die Völker nieder und tun ihnen Gewalt an. Sie nehmen ihnen die Freiheit und den Frieden und zwingen sie, nach ihren ausbeuterischen Gesetzen und Vorstellungen leben. Im Grunde haben wir hier eine präzise Beschreibung des politischen System Roms.

Genau so war das!

Die Römer waren im Land. Sie hatten Israel erobert und beherrschten es. Als Jesus lebte, regierten die Römer in Israel. Das ganze Land, das ganze Volk stand unter der Fremdherrschaft und unter einem großen Druck. – Jeden Tag erlebten auch Jesus und seine Jünger, was die römische Fremdherrschaft bedeutete. Überall gab es Einschränkungen, Gesetze, extra Zoll war zu bezahlen usw. usf.

Jesus stellt seine Jünger tatsächlich auf eine Stufe mit den Mächtigen dieser Welt. Er sieht: Menschen denken Herrschen als Gewaltausübung. Als wenn sie wie der russische Präsident Vladimir Putin einen Krieg vom Zaun brechen können, der wahnsinnig viele unschuldige Menschen tötet und Millionen in die Flucht zwingt.

Liebe Gemeinde, wann war es je so einfach wie heute in der Frage der Gewaltausübung, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen? Hier die Guten, dort die Bösen. Glasklar scheint es in dieser weltpolitischen Lage und bis auf wenige an den politischen Rändern sind sich alle einig: Putin, das ist so einer, der sein Volk niederhält, ein Mächtiger, der ihnen Gewalt antut. Der in der Ukraine Krankenhäuser und Kindergärten bombardiert. Der keine freie Meinungsäußerung in seinem Land zulässt und Kinder ebenso wie Alte verhaften lässt, wenn sie das Selbstverständliche öffentlich äußern: Nein zum Krieg!

Und auf der anderen Seite der ukrainische Präsident Selenskyj: Er bringt nicht sich selbst in Sicherheit, sondern kämpft mitten unter den Ukrainer*innen um sein Land. Zu sehen ist er in seinen Videobotschaften nur noch in Armeekleidung. Er strahlt dabei Entschlossenheit, Zuversicht und Tapferkeit aus.

So sieht keiner aus, der herrscht und tyrannisiert. Sondern eher einer, der seinen Leuten dient. Ein „Diener des Volkes“, wie in der Fernsehserie, durch die er berühmt wurde. Der sich selbst aufopfert für das Gute. Ein Held, der sein Leben aufs Spiel setzt.

Kaum je war es scheinbar so einfach, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Hier die Guten, dort die Bösen.

Ja.

Im Kriegsfall ist Machtausübung furchtbar. Tödlich…

Mit Machtausübenden vergleicht Jesus seine beiden Freunde Jakobus und Johannes, aber auch die anderen Jünger – am Ende etwa auch uns?

Haben wir auch Macht? … Üben wir über andere Macht aus?

Über wen?

Darf man das mit Weltherrschern vergleichen?

Ja, da Jesus ja hier mit seinen Jüngern redet, mit denen er jeden Tag zusammen ist und die er sehr gut kennt.

Und so lassen wir uns fragen:

Leben wir eine Gemeinschaft, die anderen dient, die unserer Gemeinschaft dient? Die Jesus Christus dient – so wie er es wollte – und will?

Das fragt der Text uns heute.

Was tun wir, wenn uns andere anvertraut sind? Unsere Ehepartner, unsere Kinder, vielleicht unsere alten Eltern, oder die, die in einem Betrieb arbeiten, die, die in einer Klasse unterrichtet werden? Was tun wir, wenn wir verantwortlich sind, wenn wir Macht ausüben über andere?

….

Mich inspiriert es, wie Jesus die Jünger auffordert, eine andere Gemeinschaft herzustellen, nach anderen, nach Gottes Grundsätzen. Sie sollen anders miteinander leben und miteinander umgehen. Herrschaftsverhältnisse sind nicht gottgegeben. So sei es unter euch nicht!

Der Text ist nicht so einfach, wie er scheint. Er ist riskant. Ich benutze ihn, um einzuschätzen, ob ich auf der richtigen Seite bin. Ich ziehe ihn heran, um auf andere zu zeigen. Aber der Text sagt auch: sei dir nicht zu sicher!

Ich bin skeptisch gegenüber jedem Heldenkult. Selbst wenn es um den, wie ich finde ausdrücklich sehr tapferen Selenskyi geht.

Die Realität ist keine Fernsehserie, kein Theaterstück. Die Akteure sind keine Idealtypen. Es sind echte Menschen. Sie sind widersprüchlich, ambivalent, beeinflussbar, bestechlich … Selbst wenn sie Gutes wollen, kann Böses entstehen.

….

Aber schauen wir wieder auf Jesus.

Jesus geht es um den Dienst untereinander. Der Dienst an der Gemeinschaft ist das, was Struktur geben soll.

Jesus geht als Machtloser in seine Passion. Und doch wird er gerade als Machtloser zu dem Hohepriester in 14,62 sagen: Ich bin’s. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen.

Zur Rechten der Macht – damit ist Gott gemeint. Zur Rechten der Macht sitzt der, der ohnmächtig zum Spielball der Willkür gemacht wird. Er wird zeigen, dass Gottes Gegenwart und sichtbare Macht nicht dasselbe sind. Gottes Macht wirkt ganz anders als die Bomben und Raketen – aber sie wirkt! Darüber gibt es nach Ostern keinen Zweifel mehr.

Jesus spricht schon hier von einer anderen Gemeinschaft. Jesus sagt: wer groß unter euch sein will, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der erste sein will, der soll aller Knecht sein!

Wie sieht dann eine Gemeinschaft aus, die nach diesen Worten Jesu lebt?

Es gibt hier keine Herrschaft von Oben und Unten. Alle achten aufeinander wie in einer guten Familie. Sie unterstützen sich gegenseitig. Das Miteinander ist von Solidarität, Freundschaft, Mitgefühl, Liebe getragen.

Aber die Erfahrung sagt: Jede Gemeinschaft muss sich organisieren. Das gilt für Dörfer und Städte, für Sportvereine oder Kirchengemeinden gleichermaßen. Selbst die kleinste Arbeitsgruppe in der Schule braucht eine Struktur, wie Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die verteilt sind. Leitung ist notwendig!

Leitung bedeutet aber auch Macht. Und weil wir Menschen sind – widersprüchlich, ambivalent, beeinflussbar und bestechlich – kann Macht immer missbraucht werden!

Es hat keinen Sinn, so zu tun, als gäbe es in einer Gemeinschaft keine Macht! Der Schlimmste Machtmissbrauch geschieht häufig dort, wo die Mächtigen so tun, als seien sie Diener der anderen. Also: Vorsicht vor dem Herrschen, welches sich als Dienen tarnt!

Die ideale, herrschaftsfreie Gemeinschaft ist ein Ideal, keine Realität. Aber sie sich vorzustellen, gibt die Richtung an! Macht muss kontrollierbar sein und sich kontrollieren lassen – nach ethischen Normen! Und: Leitung muss der Gemeinschaft wirklich dienen – so weit muss es unter Christinnen und Christen gehen!!

Das Markusevangelium ist voll von Szenen, in denen die Jünger als langsam im Denken, als Nicht-Verstehende usw. dargestellt werden. Man möchte ihnen zurufen: versteht ihr denn nicht?

Jakobus und Johannes sind treue Anhänger Jesu von Anfang an. Sie haben viel mit ihm erlebt. Die Worte Jesu, sein Reden über Gott, die Gleichnisse vom kommenden Reich Gottes, die Wunder, die Jesus vollbracht hat, haben sie begeistert. Gerechtigkeit und Liebe – ja, das wollen sie auch haben. So soll die neue Welt sein….Sie haben zurück gelassen, was ihnen lieb war und sind mit Jesus durch Israel gezogen.

„Die Donnersöhne“ hat Jesus die Brüder einmal genannt. Ihr Glaube an das Gute ist ganz sicher gewachsen. Sie glauben, ja wissen, dass Jesus der Messias ist.

Schon einmal, vor gar nicht langer Zeit, haben die beiden erlebt, dass Jesus ihnen eine besondere Position gegeben hat: sie waren es, die zusammen mit Petrus und Jesus auf den Berg gewandert sind. Jesus hatte sie hinauf geführt. Sie hatten eine Vision. Das helle Licht, das erstrahlte, das Weiß, blendete ihre Augen. Sie sahen Elia und Mose dort oben und hörten eine Stimme, die von oben her sagte: Dies ist mein geliebter Sohn, hört auf ihn!

Das hat sie auch danach sehr beschäftigt: wie wird es sein, wenn das Reich Gottes kommt? Und es muss doch etwas zu bedeuten haben, dass nur sie beide und Petrus damals dabei waren. Es wäre doch gut, gleich die Plätze rechts und links neben Jesus zu bekommen.

Jakobus und Johannes sehen Jesus bereits bei Gott thronen – vielleicht als Richter, als den der Recht spricht in dem kommenden Zeitalter Gottes – und da wollen sie mitmachen!

Anders als die Jünger, die Jesu Ankündigungen über das Leid und den Tod nicht glauben – kennen wir heute den Ausgang der Geschichte.

Jesus wird von den Römern gekreuzigt. Und dieses Ereignis scheint ja auch in diesem Text durch bzw. wird deutlich benannt!

Für den Evangelisten Markus ist die Kreuzigung der Schlüssel zum Verstehen der Geschichte.

Ostern wird es nicht ohne Karfreitag. Und die Herrlichkeit Christi gibt es nicht ohne das Kreuz.

Das ist schwer zu verstehen. Nicht nur für die Jünger damals. Aber Ostern ist ein Zeichen der Liebe. Der Tod ist eben nicht das Ende. Auch nicht der gewaltsame Tod am Kreuz.

Gott durchkreuzt die Vorstellungen von Hohem und Niedrigem. Vom Herrschen und von Machtlosigkeit.

Gottes Herrlichkeit ist dort zu entdecken, wo wir sie am wenigsten erwarten: in der Erniedrigung, in der Verfolgung, in der Hinrichtung Jesu am Kreuz.

Wenn ich trotzdem weiter zu Antikriegsdemos gehe, eine Maske trage, anderen helfe, eine bessere Welt möchte und dafür auch etwas tue, gegen Missbrauch und Hierarchien anrenne, dann deshalb – weil es richtig ist. Weil Jesus mir und allen Christinnen und Christen einen Kompass gibt. Mein Glaube, mein Dialog mit Gott, ist mein Kompass. Hier, im Nachdenken zu dieser Geschichte aus der Bibel heißt er: das gute Leben ist für alle zu schaffen – nicht nur für mich. Und das reicht als Begründung völlig aus.

Nach diesem Kompass Jesu zu handeln, bringt Segen. Wie ein warmer Frühlingsstrahl wird etwas von Gottes Herrlichkeit spürbar.

Die Bitte der Jünger ist ein zentraler Text über die Frage des Umgangs mit Gewalt. Aber Jesus sagt eben auch: Mir ist gegeben alle Gewalt – im Himmel und auf Erden!

Jesus Christus sagt: Der Menschensohn ist gekommen, dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. Ich bin überzeugt davon, dass es am Tisch in Gottes Herrlichkeit – wenn diese Welt vorbei ist – und in Ansätzen hier und da schon jetzt und hier – viele gute Plätze gibt und geben wird.

Und der Friede Gottes, der Höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn, Amen.

Okuli 2022 Predigt zu 1 Kön 19, 1-13a, am 20.3.2022 in Burg a. Fehmarn (Pastorin Dorothea Pape)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus

Der dritte Sonntag in der Passionszeit – Okuli (auf Deutsch: „Augen“) – hat seinen Namen von Psalm 25,15: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“

Vielleicht kennt ihr das Wort Okular – dann seid ihr auf der richtigen Spur…. Man sagte früher einfach kurz Okuli – Augen – und meinte den Psalm „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Und wusste, es ist der und der Sonntag vor Ostern…

Wir sehen mit unseren Augen die Welt, unsere Umgebung, unsere Familie, Freunde, die Leute in der Schule usw…. Wir sehen aber auch unser Inneres. Wir spüren, wie wir die Welt sehen, mit welcher Einstellung, mit welchen Gefühlen… Es ist zb schon ein Unterschied, ob ich gerade fröhlich bin, das Leben leicht ist und sich alles gut anfühlt, oder ob es schlecht ist, ich krank bin, oder das Wetter schlecht ist und sich das auf das Gemüt schlägt.

Wenn ich jung bin, sehe ich die Welt auch etwas anders, als wenn ich alt bin. Wenn ich Stress habe ist es auch wieder anders, als wenn ich Urlaub habe. 

Was oder wen sehe ich, was seht ihr, wenn wir – auch noch stets – auf den Herrn sehen? Was sehen wir – von Jesus, von Gott, vom Heiligen Geist?

In unserem Leben sind wir oft auf der Suche nach Erfüllung, nach Glück, nach Liebe, nach Verstandenwerden, nach Akzeptiertwerden, oder auch nach anderen Dingen. Wir suchen, wir entwickeln uns, wir finden und verlieren und finden wieder neu….

Die Bibel sagt uns: was wir auch suchen, wer wir auch sind, was wir auch erreichen an Zufriedenheit und Glück oder nicht: die Suche nach Leben ist nicht trennbar von der Suche nach Gott.

Die gängige Wertschätzung des Lebens sagt uns: wir müssten ständig nach unserem Aufstieg streben, nach Erfolg, Besitz und Ansehen. Dann könnten wir uns quasi selbst erlösen, uns unser Glück schmieden. … Dem widerspricht die Bibel ganz vehement. Es ist unmöglich nach einer Orientierungsmarke zu segeln, die man selbst an den Bug des eigenen Schiffes genagelt hat.

Wolfgang Borchert hat einmal gesagt: Ich möchte Leuchtturm sein in Nacht und Wind, für jedes Boot und bin doch selbst ein Schiff in Not.

Wer auf Jesus schaut, sieht nicht einen erfolgreichen Geschäftsmann. Er oder sie sieht keinen, der viel Geld hat oder über andere Macht ausübt: Wer auf Jesus schaut, sieht das Weizenkorn, das in die Erde kommt und dort stirbt – dadurch aber viel Frucht bringt.

Wer auf Jesus schaut, sieht am Ende einen Menschen, der durch andere sehr leiden muss, am Kreuz stirbt. Aber dabei bleibt es nicht. Und deshalb lohnt sich immer ein Blick auf Jesus. Auf das, was er gesagt und getan hat… Gott macht einen völlig neuen Anfang mit ihm: er vergilt nicht Gewalt mit Gewalt, nicht Tod mit Tod, nicht Macht mit Gegenmacht – sondern er gibt der Liebe und dem Leben einen neuen Anfang und einen neuen Sinn. 

Lebensglück finden wir Menschen über unsere inneren Wege – wenn wir uns auf den Weg machen, nach Hause finden zu Gott und derjenige und diejenige werden, die wir nach seinem Bild sein sollen, wenn wir uns entwickeln und wir selbst werden – vor ihm, nach seinen Maßstäben.  Gott liebt das Gute in uns.

Ein Leben lang sind wir auf der Suche – nach uns selbst, nach Nähe oder Abstand zu anderen Menschen, im tiefsten aber auch nach Gott. Im Zusammenleben mit anderen, in den Höhen und Tiefen, werden wir offen für die wirklichen Fragen unseres Lebens. 

Wir erleben und entwickeln unsere Stärken und feiern unseren Erfolg, aber wir erleben auch unsere Schwächen, unsere Angst, unsere Begrenztheit und am Ende unser Sterben. Beides gehört zu jedem Menschen dazu. 

Im heutigen Predigttext aus dem AT geht es um einen Menschen, einen Mann, einen Propheten, der  Gott sehr gesucht hat. Der sich sein Leben lang sehr für Gott eingesetzt hat. 

Er hat für Gott gekämpft – ist durch viele Höhen und Tiefen gegangen und hat immer mit Gott gewonnen.  Oft geriet er in Lebensgefahr. Aber er verlor auch seinen Mut –  und seinen Lebenswillen. Und nun ist er auf der Flucht.

Es geht um Elia….Elia hat immer auf Gott geschaut. Auf seine ganz persönliche Art und Weise. Immer. 

Wir hören, wie es ihm ergangen ist. Wir hören aber auch etwas darüber, wie er Gott SIEHT:… Hören wir 1.Kön 19

Predigttext: Elia flieht zum Sinai

1 Ahab erzählte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Baalspropheten mit dem Schwert getötet hatte. 2 Daraufhin schickte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm ausrichten: »Die Götter sollen auch mich töten, wenn ich nicht morgen um diese Zeit das Gleiche mit dir tue, wie du es mit ihnen gemacht hast.« 

3 Da bekam Elia Angst und floh um sein Leben. Er ging nach Beerscheba in Juda; dort ließ er seinen Diener zurück. 

4 Er aber ging allein eine Tagesstrecke weit in die Wüste. Schließlich sank er unter einem Ginsterstrauch nieder, der dort stand, und wollte nur noch sterben. »Ich habe genug, Herr«, sagte er. »Nimm mein Leben, denn ich bin nicht besser als meine Vorfahren.« 5 Dann legte er sich hin und schlief unter dem Strauch ein. Doch plötzlich berührte ihn ein Engel und sagte zu ihm: »Steh auf und iss!« 6 Er blickte um sich und sah ein Stück auf heißen Steinen gebackenes Brot und einen Krug Wasser bei seinem Kopf stehen. Also aß und trank er und legte sich wieder hin. 7 Da kam der Engel des Herrn ein zweites Mal, berührte ihn und sagte: »Steh auf und iss, denn vor dir liegt eine lange Reise!« 8 Er erhob sich, aß und trank, und das Essen gab ihm genug Kraft, um 40 Tage und Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb, zu wandern. 9 Dort fand er eine Höhle, in der er die Nacht verbrachte. Doch der Herr sprach zu ihm: »Was tust du hier, Elia?«

10 Elia antwortete: »Ich habe dem Herrn, Gott, dem Allmächtigen, von ganzem Herzen gedient. Denn die Israeliten haben ihren Bund mit dir gebrochen, deine Altäre niedergerissen und deine Propheten getötet. Ich allein bin übrig geblieben, und jetzt wollen sie auch mich umbringen.« 

11 Da sprach der Herr zu ihm: »Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn, denn der Herr wird vorübergehen.« Zuerst kam ein heftiger Sturm, der die Berge teilte und die Felsen zerschlug, vor dem Herrn her. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm bebte die Erde, doch der Herr war nicht im Erdbeben. 12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, doch der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer ertönte ein leises Säuseln. 13 Als Elia es hörte, zog er seinen Mantel vors Gesicht, ging nach draußen und stellte sich in den Eingang der Höhle. 

Ein Ginsterbusch oder Wachholderstrauch bietet ein wenig Schatten. An diesem Ort kommt Elia erschöpft zur Ruhe. Nach Verfolgung unter Lebensgefahr, nach Angst und Enttäuschung – ja man könnte sagen: nach einem burn out, legt er sich nieder – und will nicht mehr. Nun ist es genug…

Am Anfang der Geschichte ist er auf der Flucht. Vor seinen Gegnern, Ahab und Isebel – die sich gegen Gott gestellt haben und andere gezwungen haben, es auch zu tun. Elia läuft vor ihnen weg, sozusagen vor den Konsequenzen. 

Weglaufen ist ab und zu eine gute Lösung!

Kenne ich das auch – aus meiner eigenen Erfahrung?, dass ich vor etwas davonlaufe oder davonlaufen möchte, vielleicht auch davonlaufen muss, um mich zu retten – um mich in Sicherheit zu bringen? Auch wenn ich auf der richtigen Seite stand, wenn ich recht hatte, wenn das andere schlimme Auswirkungen hat?

Die Ukrainer laufen weg. Nicht alle, aber viele. Es ist für viele die bessere Lösung. Aber nicht für alle. … Was wird aus denen, die da bleiben??

Wie oft bin ich schon davongelaufen, wo ich hätte bleiben müssen? Und wie oft bin ich viel zu lange geblieben? 

Und wo laufe ich hin? 

Sicher hat jede und jeder ganz unterschiedliche Antworten auf diese Fragen.

Elia hat einen aktiven Anteil an der Situation, in die er da geraten ist: Er war im Kampf mit den Propheten des Baal. Es ging um eine kompromisslose Wahrheit, um ein bedingungsloses Ja oder Nein, um eine scharfe Auseinandersetzung, die offenbar keinen „Ort dazwischen“ erlaubte. 

Es gab in diesem Kampf  viele Tote. Etwas wurde mit Stumpf und Stiel beseitigt, ausgerissen durch Elia.

….

Elia hat mit Gottes Hilfe  dafür gesorgt, dass Gott als Sieger übrig blieb – nicht die Baalsanhänger, Gott gewann diesen Kampf.

Auf seiner Flucht hat Elia seinen Diener und Reisegefährten am Rand der Wüste zurückgelassen und ist alleine weitergezogen. 

Bisweilen kann der Rückzug in die Einsamkeit hilfreich und heilsam sein. Es kann aber auch gefährlich werden, wenn man sich von der Hilfe und dem Beistand anderer abschneidet.

Elia ist im Zwiespalt mit sich selbst: „Ich bin nicht besser als meine Väter.“ Er ist voller Selbstzweifel und Enttäuschung.  Ja, man kann sagen: Elia ist am Tiefpunkt seines Lebens angekommen: Er möchte sterben. Er sagt: „Es ist genug!“

Und doch gibt es keine totale Einsamkeit, kein totales Ende. Am Tiefpunkt angekommen wendet er sich an Gott, spricht ihn an, befiehlt seine Seele in Gottes Hände. In einem Gefühl völliger Erschöpfung und Mutlosigkeit kann die Gewissheit aufscheinen, dass Gott hilft.

Nichts anderes geht mehr.

Elia legt sich hin und schläft. 

Dann wird er angerührt von einem Engel, einem Boten Gottes. Ist es ein Traum? Ist es Wirklichkeit? Wie auch immer – es ist wohltuend, von einem Engel berührt zu werden. 

Elia hört eine Stimme: „Steh auf und iss!“ Und er sieht am Kopfende, wo er lag, ein geröstetes Brot und einen Krug Wasser. Inmitten seiner Erschöpfung werden Elia Zeichen der Ermutigung und der Stärkung zuteil: das Schlafen-Können; das Angerührt-Werden…

In all dem wird ihm gezeigt: „Du bist nicht ­allein“.

Elia hört die auffordernde, aufmunternde Anrede „Steh auf und iss“.

Die Grundnahrungsmittel Brot und Wasser stehen vor ihm. Und all dies geschieht zwei Mal. Manches muss zweimal geschehen, damit es für wahr gehalten wird und seine Wirkung entfaltet. Das dritte, was passiert, aber ist sein Weg zum Berg Gottes, zum Horeb. Und dort zeigt sich ihm: Gott. … Auf eine sehr starke und gleichzeitig ganz anrührende Weise.

Wenn man nach Israel fährt, kann man diesen Berg bis heute noch sehen. Der Berg der Gottesbegegnung.

Wie so oft überrascht Gott, wenn er sich zeigt.

 11 Da sprach der Herr zu ihm: »Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn, denn der Herr wird vorübergehen.« Zuerst kam ein heftiger Sturm, der die Berge teilte und die Felsen zerschlug, vor dem Herrn her. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm bebte die Erde, doch der Herr war nicht im Erdbeben. 12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, doch der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer ertönte ein leises Säuseln. 13 Als Elia es hörte, zog er seinen Mantel vors Gesicht, ging nach draußen und stellte sich in den Eingang der Höhle. 

Gott ist weder im Sturm, der die Erde erbeben lässt, noch im Erdbeben…. Gott ist in diesem sanften, leisen Säuseln, in einem Windhauch, der vorüber geht… Dort erkennt Elia Gott.

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Am Ende ist Elia ein anderer geworden: Er hat Gott zwar nicht mit seinen äußeren Augen gesehen – aber mit seinen Inneren, mit seinem Herzen, mit seinen Gefühlen. Elia hat gespürt, dass Gott vorüberging.

Er zieht sich seinen Mantel vor das Gesicht, damit er nicht stirbt an so viel Nähe…. So viel Nähe zu Gott erträgt kein Mensch.

Warum hat uns die Kirche diesen Text für heute als Predigttext vorgeschrieben? Am Sonntag Okuli?

Weil wir sehen sollen…. Unser Leben gehört Gott. Ohne ihn gibt es kein Leben… Weder bei der Schöpfung noch in uns drin.

Wir sehen mit unseren Augen auf die Welt, auf Gott…. Mit unseren inneren Augen können wir ihn sehen!. Amen.